Ratgeber
Erbbaurecht verkaufen: Zustimmung, Erbbauzins und Restlaufzeit
Redaktion: Joey Feldmann · Stand · Wie wir arbeiten
Ein Haus auf Erbbaurecht, umgangssprachlich auch Erbpacht genannt, lässt sich verkaufen. Es gelten aber eigene Regeln: Der Grundstückseigentümer muss zustimmen, wenn der Vertrag das vorsieht, der Käufer übernimmt den Erbbauzins, und der Preis hängt am Vertrag. Dieser Ratgeber erklärt die Regeln mit Paragraf. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Lassen Sie Ihren Erbbaurechtsvertrag vor dem Verkauf prüfen.
Was wird beim Erbbaurecht verkauft?
Nicht das Grundstück, sondern das Recht, darauf ein Haus zu haben. Das Erbbaurecht lässt sich verkaufen und vererben. [1] Das Haus gehört rechtlich zum Erbbaurecht, nicht zum Grundstück. [2] Wer Ihr Erbbaurecht kauft, kauft also das Haus mit. Der Boden bleibt beim Grundstückseigentümer, etwa bei einer Kommune, einer Kirche oder der Klosterkammer.
Das Erbbaurecht hat ein eigenes Grundbuchblatt, das Erbbaugrundbuch. [3] Für den Kaufvertrag gilt dasselbe wie bei einem Grundstück: Er muss notariell beurkundet werden. [4]
Brauche ich die Zustimmung des Grundstückseigentümers?
Wenn Ihr Vertrag das vorsieht, ja. Das Gesetz erlaubt, die Zustimmung zur Veräußerung als Inhalt des Erbbaurechts zu vereinbaren. [5] Ob das bei Ihnen gilt, steht im Erbbaurechtsvertrag und im Erbbaugrundbuch. Ohne nachgewiesene Zustimmung trägt das Grundbuchamt den Käufer nicht ein. [6]
Sie haben einen Anspruch darauf. Der Eigentümer muss zustimmen, wenn zwei Dinge erfüllt sind. Der Zweck des Erbbaurechts wird durch den Verkauf nicht wesentlich beeinträchtigt. Und der Käufer bietet Gewähr, die Pflichten aus dem Vertrag zu erfüllen. [7] Verweigert der Eigentümer die Zustimmung ohne ausreichenden Grund, kann das Amtsgericht sie auf Ihren Antrag ersetzen. [7]
So gehen Sie vor:
- Früh anfragen: Sprechen Sie den Grundstückseigentümer an, bevor Sie einen Käufer festlegen. Fragen Sie, welche Unterlagen er zum Käufer braucht und wie lange die Prüfung dauert.
- Kosten erfragen: Ob und wie viel der Eigentümer für die Zustimmung verlangt, steht im Vertrag oder erfahren Sie dort. Eine allgemeine Zahl gibt es nicht.
- Notar einbinden: Er kann die Zustimmung für den Vollzug einholen.
Was passiert mit dem Erbbauzins?
Der Käufer übernimmt ihn. Für den Erbbauzins gelten die Regeln über Reallasten. [8] Er steht also im Grundbuch, und für die Beträge, die während seiner Zeit fällig werden, haftet der jeweilige Erbbauberechtigte persönlich. [9] Was der Vertrag darüber hinaus regelt, etwa eine Anpassungsklausel, übernimmt der Käufer im Kaufvertrag.
Erhöhungen haben Grenzen. Dient das Haus Wohnzwecken, darf der Erbbauzins nur steigen, soweit das nicht unbillig ist. [10] Unbillig ist regelmäßig eine Erhöhung, die über die Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse seit Vertragsschluss hinausgeht. [10] Gestiegene Grundstückswerte zählen grundsätzlich nicht. Erhöht werden darf frühestens drei Jahre nach Vertragsschluss oder nach der letzten Erhöhung. [10]
Für Käufer ist der Erbbauzins eine laufende Last. Legen Sie deshalb die aktuelle Höhe und die letzte Erhöhung offen.
Was ist mein Haus auf Erbbaurecht noch wert?
Das hängt mehr am Vertrag als am Haus. Vier Punkte bestimmen den Wert:
- Restlaufzeit: Je kürzer sie ist, desto näher rückt das Ende des Rechts.
- Erbbauzins: Seine Höhe und die Anpassungsklausel bestimmen, was der Käufer jedes Jahr zahlt.
- Entschädigung bei Ablauf: Der Vertrag regelt, was der Eigentümer für das Haus zahlt, wenn das Recht endet. [11]
- Verlängerung: Gibt es ein Angebot oder ein vereinbartes Vorrecht, das Recht zu erneuern? [12]
Pauschale Abschläge oder Faktoren nennen wir nicht. Amtliche Werte für Erbbaurechte in der Region Hannover haben wir nicht gefunden. Eine Zahl ohne Ihren Vertrag wäre geraten.
Die Ersteinschätzung rechnet mit einem Haus auf eigenem Grundstück. Ein Erbbaurecht bildet sie nicht ab. Nehmen Sie ihr Ergebnis deshalb nur als Ausgangspunkt. Für eine belastbare Bewertung braucht es den Vertrag.
Was passiert, wenn das Erbbaurecht ausläuft?
Endet das Erbbaurecht durch Zeitablauf, wird das Haus Teil des Grundstücks. [2] Der Eigentümer muss Ihnen dafür eine Entschädigung zahlen. [11] Wie hoch sie ist, wie sie gezahlt wird oder ob sie ganz ausgeschlossen ist, darf der Vertrag regeln. Einen gesetzlichen Mindestbetrag gibt es nur in einem Sonderfall: wenn das Recht für den Wohnbedarf minderbemittelter Bevölkerungskreise bestellt wurde. Dann sind es mindestens zwei Drittel des Werts, den das Haus beim Ablauf hat. [11]
Verlängerung statt Entschädigung. Der Eigentümer kann die Entschädigung abwenden, indem er das Recht vor Ablauf für die voraussichtliche Standdauer des Hauses verlängert. Lehnen Sie die Verlängerung ab, entfällt der Anspruch auf Entschädigung. [11]
Heimfall ist etwas anderes. Der Vertrag kann vorsehen, dass Sie das Recht unter bestimmten Bedingungen vorzeitig an den Eigentümer übertragen müssen. [12] Wegen Zahlungsverzugs geht das erst, wenn mindestens zwei Jahresbeträge Erbbauzins offen sind. [8] Beim Heimfall steht Ihnen eine angemessene Vergütung zu, deren Höhe der Vertrag regeln darf. [13]
Die Klosterkammer Hannover verwaltet nach eigenen Angaben rund 17.000 Erbbaurechte. Laut Klosterkammer zahlt sie bei Ablauf eine Entschädigung von bis zu 100 Prozent des Verkehrswertes des Hauses und bietet seit 2012 Verlängerungen an. [14] Ob und zu welchen Bedingungen das für Ihren Vertrag gilt, klären Sie mit ihr. Läuft Ihr Recht in absehbarer Zeit aus, prüfen Sie eine Verlängerung vor dem Verkauf. Ein Käufer fragt danach.
Was ist in Niedersachsen gerade in Bewegung?
Der Niedersächsische Landtag hat am 24.06.2026 eine Entschließung zum Erbbaurecht beschlossen. [15] Darin bittet er die Landesregierung unter anderem, gemeinsam mit der Klosterkammer den Erbbauzins bei Erneuerungen anders zu berechnen: mit einem gleitenden Mittel der Bodenrichtwerte aus zehn Jahren und einer Obergrenze für Erhöhungen. Für Verträge des Landes soll ein moderater Zinssatz gelten.
Eine Entschließung ist kein Gesetz. Sie ändert an bestehenden Verträgen nichts. Stand dieser Angaben: 04.10.2026.
Muss ich Steuern zahlen?
Für ein Erbbaurecht gilt dieselbe Frist wie für ein Grundstück, das Gesetz nennt es ausdrücklich. Liegen zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als zehn Jahre, ist der Gewinn steuerpflichtig. Haben Sie das Haus selbst bewohnt, seit dem Kauf oder im Verkaufsjahr und den beiden Jahren davor, bleibt er steuerfrei. [16] Ob Ihre Frist läuft, prüft der Spekulationssteuer-Rechner taggenau.
Welche Unterlagen brauche ich?
Neben den Unterlagen für jeden Hausverkauf brauchen Sie den Erbbaurechtsvertrag mit allen Nachträgen und einen aktuellen Auszug aus dem Erbbaugrundbuch. Dazu kommen der Nachweis der aktuellen Höhe des Erbbauzinses und, falls vorhanden, ein Verlängerungsangebot. Die vollständige Liste steht in der Checkliste Unterlagen für den Hausverkauf.
Quellen
- § 1 Abs. 1 ErbbauRG (Erbbaurecht als veräußerliches und vererbliches Recht). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__1.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 12 Abs. 1 bis 3 ErbbauRG (Bauwerk als wesentlicher Bestandteil des Erbbaurechts; bei Erlöschen Bestandteil des Grundstücks). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__12.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 14 Abs. 1 und 3 ErbbauRG (Erbbaugrundbuch). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__14.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 11 Abs. 2 ErbbauRG mit § 311b Abs. 1 BGB (Beurkundungspflicht). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__11.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 5 Abs. 1 ErbbauRG (Zustimmung des Grundstückseigentümers zur Veräußerung als Vertragsinhalt). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__5.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 15 ErbbauRG (Eintragung erst nach Nachweis der Zustimmung). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__15.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 7 Abs. 1 und 3 ErbbauRG (Anspruch auf Zustimmung; Ersetzung durch das Amtsgericht). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__7.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 9 Abs. 1 und 4 ErbbauRG (Erbbauzins nach den Vorschriften über Reallasten; Heimfall wegen Verzugs erst ab zwei Jahresbeträgen). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__9.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 1108 Abs. 1 BGB (persönliche Haftung für die während der eigenen Zeit fälligen Leistungen); § 1105 Abs. 1 Satz 2 BGB (Anpassung als Inhalt der Reallast). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1108.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 9a Abs. 1 ErbbauRG (Erhöhung bei Wohnzwecken nur, soweit nicht unbillig; Grundstückswerte grundsätzlich außer Betracht; frühestens nach drei Jahren). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__9a.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 27 Abs. 1 bis 3 ErbbauRG (Entschädigung bei Zeitablauf; zwei Drittel im Sonderfall; Abwendung durch Verlängerung). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__27.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 2 Nr. 4 und 6 ErbbauRG (Heimfall; Vorrecht auf Erneuerung als Vertragsinhalt). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__2.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 32 Abs. 1 ErbbauRG (Vergütung beim Heimfall). https://www.gesetze-im-internet.de/erbbauv/__32.html, abgerufen 04.10.2026.
- Klosterkammer Hannover, „Klosterkammer spezial“ zum Erbbaurecht, Januar 2026, klosterkammer.de. Angaben der Klosterkammer, nicht unabhängig geprüft.
- Niedersächsischer Landtag, Entschließung zum Erbbaurecht, beschlossen am 24.06.2026, Drucksache 19/11034, landtag-niedersachsen.de. Beschluss des Landtags, keine Rechtsänderung.
- § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG (Zehnjahresfrist bei Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten, ausdrücklich Erbbaurecht; Ausnahme bei eigenen Wohnzwecken). https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__23.html, abgerufen 04.10.2026.
Häufige Fragen
Kann ich ein Haus auf Erbpacht verkaufen?
Ja. Das Erbbaurecht ist veräußerlich und vererblich (§ 1 ErbbauRG), und das Haus gehört zu ihm. Sie verkaufen also das Erbbaurecht samt Haus; das Grundstück bleibt beim Eigentümer. Der Vertrag muss notariell beurkundet werden.
Muss der Grundstückseigentümer zustimmen, wenn ich mein Erbbaurecht verkaufen will?
Wenn Ihr Erbbaurechtsvertrag das vorsieht, ja (§ 5 Abs. 1 ErbbauRG). Ohne die Zustimmung trägt das Grundbuchamt den Käufer nicht ein (§ 15). Ob die Klausel gilt, steht im Erbbaurechtsvertrag und im Erbbaugrundbuch.
Was, wenn der Eigentümer die Zustimmung verweigert?
Sie haben einen Anspruch auf Zustimmung, wenn der Zweck des Erbbaurechts nicht wesentlich gefährdet ist und der Käufer Gewähr bietet, die Pflichten zu erfüllen (§ 7 Abs. 1 ErbbauRG). Verweigert der Eigentümer sie ohne ausreichenden Grund, kann das Amtsgericht sie auf Ihren Antrag ersetzen (§ 7 Abs. 3). Lassen Sie sich dafür rechtlich beraten.
Übernimmt der Käufer den Erbbauzins?
Ja. Der Erbbauzins steht als Reallast im Grundbuch, und für die Beträge, die während seiner Zeit fällig werden, haftet der jeweilige Erbbauberechtigte (§ 9 ErbbauRG, § 1108 BGB). Weitere Pflichten aus dem Vertrag, etwa eine Anpassungsklausel, übernimmt der Käufer im Kaufvertrag.
Wie viel ist ein Haus auf Erbbaurecht wert?
Das hängt an Ihrem Vertrag: an der Restlaufzeit, der Höhe des Erbbauzinses und der Entschädigung bei Ablauf. Amtliche Abschläge oder Faktoren für Erbbaurechte in der Region Hannover haben wir nicht gefunden. Eine Zahl ohne Blick in den Vertrag wäre geraten.
Was passiert, wenn das Erbbaurecht ausläuft?
Das Haus fällt an den Grundstückseigentümer, und er schuldet eine Entschädigung (§ 27 Abs. 1 ErbbauRG). Wie hoch sie ist oder ob sie ausgeschlossen ist, regelt der Vertrag. Bietet der Eigentümer eine Verlängerung an und Sie lehnen ab, entfällt die Entschädigung (§ 27 Abs. 3).
Kann ich das Grundstück dazukaufen?
Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt das Erbbaurechtsgesetz nicht. Der Vertrag kann aber eine Pflicht des Eigentümers enthalten, das Grundstück an Sie zu verkaufen (§ 2 Nr. 7 ErbbauRG). Steht dort nichts, ist es Verhandlungssache.