Ratgeber
Haus verkaufen in der Privatinsolvenz: Wer entscheidet?
Redaktion: Joey Feldmann · Stand · Wie wir arbeiten
Steht eine Privatinsolvenz bevor oder ist sie schon eröffnet, stellt sich die Frage nach dem Haus. Wer darf es verkaufen, und wer entscheidet darüber? Hier steht, was die Insolvenzordnung (InsO) regelt, ohne Ihren Fall zu beurteilen. Für Ihre Lage sind eine Schuldnerberatung und eine anwaltliche Beratung die richtigen Stellen.
Gehört das Haus in der Insolvenz noch mir?
Das Haus wird Teil der Insolvenzmasse. „Das Insolvenzverfahren erfaßt das gesamte Vermögen, das dem Schuldner zur Zeit der Eröffnung des Verfahrens gehört und das er während des Verfahrens erlangt (Insolvenzmasse).“ [1]
Was sich ändert, ist die Befugnis. „Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht das Recht des Schuldners, das zur Insolvenzmasse gehörende Vermögen zu verwalten und über es zu verfügen, auf den Insolvenzverwalter über.“ [2] Im Grundbuch bleiben Sie als Eigentümer eingetragen. Dort kommt aber ein Vermerk über die Eröffnung dazu. [3]
Darf ich das Haus selbst verkaufen?
Nach der Eröffnung nicht. „Hat der Schuldner nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über einen Gegenstand der Insolvenzmasse verfügt, so ist diese Verfügung unwirksam.“ [4] Hat er am Tag der Eröffnung verfügt, wird vermutet, dass das nach der Eröffnung war. [4]
Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum Schutz des guten Glaubens an das Grundbuch bleiben dabei unberührt. [4] Was das für einen Käufer bedeutet, klärt der Notar. Ein Verkauf läuft deshalb über den Insolvenzverwalter.
Gehört das Haus Ihnen zusammen mit einer anderen Person, etwa dem Ehepartner, gilt eine eigene Regel. Die Teilung oder sonstige Auseinandersetzung einer solchen Gemeinschaft erfolgt außerhalb des Insolvenzverfahrens. [5] Was bei Miteigentum sonst gilt, erklärt der Ratgeber Haus gehört zwei, einer will nicht verkaufen.
Was steht im Grundbuch?
„Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist in das Grundbuch einzutragen“, und zwar bei Grundstücken, als deren Eigentümer der Schuldner eingetragen ist. [3] Um die Eintragung ersucht das Insolvenzgericht, soweit es das Grundstück kennt. Auch der Verwalter kann sie beantragen. [3]
Gibt der Verwalter das Grundstück frei oder veräußert er es, wird der Vermerk auf Antrag wieder gelöscht. [3] Wie eine Grundschuld beim Verkauf gelöscht wird, erklärt der Ratgeber Grundschuld löschen.
Was macht der Insolvenzverwalter mit dem Haus?
Er hat es zu verwerten. Nach dem Berichtstermin hat er das Vermögen der Masse „unverzüglich“ zu verwerten, soweit Beschlüsse der Gläubigerversammlung nicht entgegenstehen. [6] Er kann das Haus verkaufen. Er kann auch die Zwangsversteigerung oder die Zwangsverwaltung betreiben, auch wenn an dem Haus ein Absonderungsrecht besteht. [7]
Den Unterschied zur Zwangsverwaltung auf Antrag eines Gläubigers zeigt der Ratgeber Zwangsverwaltung: Kann ich mein Haus noch verkaufen?. Wie ein Verkauf mit eingetragener Grundschuld abläuft, steht im Ratgeber Haus mit Kredit verkaufen.
Haus vor der Insolvenz übertragen: Was der Insolvenzverwalter rückgängig machen kann
Ein Haus, das vor der Insolvenz an Angehörige übertragen wird, ist damit nicht sicher. Rechtshandlungen vor der Eröffnung, die die Insolvenzgläubiger benachteiligen, kann der Insolvenzverwalter anfechten. Eine Unterlassung steht einer Rechtshandlung gleich. [9] Das Gesetz nennt dafür Fristen, gerechnet vom Antrag auf Eröffnung zurück:
- Unentgeltliche Leistung, etwa eine Schenkung: anfechtbar, außer sie liegt früher als vier Jahre vor dem Eröffnungsantrag. Ausgenommen sind Gelegenheitsgeschenke geringen Werts. [10]
- Vorsatz, die Gläubiger zu benachteiligen: anfechtbar sind Rechtshandlungen aus den letzten zehn Jahren vor dem Antrag, wenn der andere Teil den Vorsatz kannte. Die Kenntnis wird vermutet, wenn er wusste, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte und die Handlung die Gläubiger benachteiligte. [11]
- Entgeltlicher Vertrag mit einer nahestehenden Person, der die Gläubiger unmittelbar benachteiligt: anfechtbar, außer er wurde früher als zwei Jahre vor dem Antrag geschlossen oder der andere Teil kannte den Vorsatz nicht. [11]
Nahestehend sind unter anderem der Ehegatte oder Lebenspartner, auch wenn die Ehe oder Partnerschaft erst nach der Übertragung geschlossen oder im letzten Jahr davor aufgelöst wurde, etwa durch Scheidung, Verwandte in auf- und absteigender Linie, also auch Eltern und Kinder, Geschwister und deren Ehegatten oder Lebenspartner sowie Personen, die mit dem Schuldner in häuslicher Gemeinschaft leben oder im letzten Jahr vor der Übertragung gelebt haben. [12]
Was durch eine anfechtbare Handlung weggegeben wurde, ist zur Insolvenzmasse zurückzugewähren. [13] Wer etwas unentgeltlich bekommen hat, muss es nur zurückgeben, soweit er durch sie bereichert ist. Das gilt nicht mehr, sobald er weiß oder wissen muss, dass die Leistung die Gläubiger benachteiligt. [13]
Eine Regel, nach der Sie das Haus in der Insolvenz behalten, nennen die hier gelesenen Vorschriften nicht. Der Verwalter hat die Masse zu verwerten, soweit die Gläubigerversammlung nichts anderes beschließt. [6] Ob eine Übertragung in Ihrem Fall anfechtbar ist und ob es einen anderen Weg gibt, beurteilt diese Seite nicht. Dafür sind eine Schuldnerberatung und eine anwaltliche Beratung die richtigen Stellen.
Was gilt vor der Eröffnung?
Schon nach dem Antrag kann das Insolvenzgericht vorläufige Maßnahmen anordnen. Es kann einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. [8] Es kann Ihnen auch ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegen oder anordnen, dass Ihre Verfügungen nur mit Zustimmung des vorläufigen Verwalters wirksam sind. [8]
Steht eine Insolvenz im Raum, holen Sie sich früh Rat. Beziehen Sie Grundsicherungsgeld vom Jobcenter, erklärt der Ratgeber Eigenes Haus und Grundsicherung, wann das Haus dort als Vermögen zählt. Eine Liste kostenloser Schuldnerberatungen in der Region steht im Ratgeber Zwangsversteigerung abwenden.
Quellen
- § 35 Abs. 1 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__35.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 80 Abs. 1 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__80.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 32 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__32.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 81 Abs. 1 und 3 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__81.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 84 Abs. 1 Satz 1 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__84.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 159 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__159.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 165 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__165.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 21 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 2 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__21.html, gelesen am 14.10.2026. Amtlich.
- § 129 Abs. 1 und 2 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__129.html, gelesen am 28.10.2026. Amtlich.
- § 134 Abs. 1 und 2 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__134.html, gelesen am 28.10.2026. Amtlich.
- § 133 Abs. 1 und 4 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__133.html, gelesen am 28.10.2026. Amtlich.
- § 138 Abs. 1 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__138.html, gelesen am 28.10.2026. Amtlich.
- § 143 Abs. 1 und 2 InsO. https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__143.html, gelesen am 28.10.2026. Amtlich.
Häufige Fragen
Darf ich mein Haus in der Insolvenz noch selbst verkaufen?
Nach der Eröffnung nicht. Das Recht, über das Vermögen der Insolvenzmasse zu verfügen, geht auf den Insolvenzverwalter über (§ 80 Abs. 1 InsO). Verfügt der Schuldner danach selbst, ist das unwirksam (§ 81 Abs. 1 InsO).
Gehört das Haus dann dem Insolvenzverwalter?
Das Gesetz spricht vom Recht, das Vermögen zu verwalten und darüber zu verfügen. Dieses Recht geht über (§ 80 Abs. 1 InsO). Im Grundbuch wird die Eröffnung bei dem Grundstück eingetragen, als dessen Eigentümer der Schuldner eingetragen ist (§ 32 Abs. 1 InsO).
Was macht der Verwalter mit dem Haus?
Er hat das Vermögen der Masse nach dem Berichtstermin unverzüglich zu verwerten, soweit die Gläubigerversammlung nichts anderes beschließt (§ 159 InsO). Er kann auch die Zwangsversteigerung betreiben (§ 165 InsO).
Das Haus gehört mir und meinem Ehepartner. Was gilt dann?
Bei einer Gemeinschaft nach Bruchteilen erfolgt die Teilung oder Auseinandersetzung außerhalb des Insolvenzverfahrens (§ 84 Abs. 1 InsO). Was das für Sie bedeutet, klären Sie mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
Kann ich mein Haus vor der Privatinsolvenz an mein Kind überschreiben?
Eine solche Übertragung kann der Insolvenzverwalter anfechten. Eine Schenkung ist anfechtbar, außer sie liegt früher als vier Jahre vor dem Antrag auf Eröffnung (§ 134 Abs. 1 InsO). Ein Kind ist eine nahestehende Person (§ 138 Abs. 1 InsO). Ein entgeltlicher Vertrag mit ihm, der die Gläubiger unmittelbar benachteiligt, ist anfechtbar, außer er wurde früher als zwei Jahre vor dem Antrag geschlossen oder das Kind kannte den Vorsatz nicht, die Gläubiger zu benachteiligen (§ 133 Abs. 4 InsO). Bei einer Handlung mit diesem Vorsatz reicht die Frist zehn Jahre zurück, wenn das Kind den Vorsatz kannte (§ 133 Abs. 1 InsO). Was weggegeben wurde, ist zur Insolvenzmasse zurückzugewähren (§ 143 Abs. 1 InsO).
Was kann schon vor der Eröffnung passieren?
Das Insolvenzgericht kann vorläufige Maßnahmen anordnen, etwa einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen oder ein allgemeines Verfügungsverbot auferlegen (§ 21 Abs. 2 InsO).