Ratgeber
Haus an Kinder überschreiben: Schenkung, Wohnrecht, 10 Jahre
Redaktion: Joey Feldmann · Stand · Wie wir arbeiten
Wer sein Haus schon zu Lebzeiten an die Kinder geben will, hat mehrere Wege. Sie unterscheiden sich bei Steuer, Absicherung und Fairness unter Geschwistern. Dieser Ratgeber vergleicht die Wege mit denselben Annahmen. Er zeigt, wo die zwei Zehnjahresfristen liegen, die man leicht verwechselt. Haben Sie das Haus selbst als Vorerbe geerbt, gelten für eine Übertragung strengere Regeln; sie stehen im Ratgeber Haus verkaufen als Vorerbe. Er ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für Ihre Zahlen fragen Sie eine Steuerberatung und den Notar.
Welche Wege gibt es?
Ist ein Kind noch minderjährig, gelten für einen späteren Verkauf seines Anteils eigene Regeln; sie stehen im Ratgeber Haus verkaufen, wenn ein minderjähriges Kind Miteigentümer ist.
Verkaufen
| zum Marktpreis | unter Wert | |
|---|---|---|
| Schenkungsteuer | keine | auf den geschenkten Teil |
| Grunderwerbsteuer | keine | keine |
| Spekulationssteuer | möglich | möglich, anteilig |
| Rückforderung Sozialamt | nein | Einzelheiten offen |
| Pflichtteil Geschwister | nein | anteilig |
| Geld für die Eltern | Kaufpreis | Teil des Preises |
Schenken
| ohne Wohnrecht | mit Wohnrecht oder Nießbrauch | |
|---|---|---|
| Schenkungsteuer | über dem Freibetrag | Recht senkt den Wert |
| Grunderwerbsteuer | keine | keine |
| Spekulationssteuer | keine | keine |
| Rückforderung Sozialamt | zehn Jahre | zehn Jahre |
| Pflichtteil Geschwister | zehn Jahre, abschmelzend | bei uneingeschränktem Nießbrauch kein Fristbeginn |
| Geld für die Eltern | keins | keins, aber Wohnen |
Belege stehen in den Abschnitten unten. [1] [2] Den Verkauf an Kinder, mit Preis unter Wert und Spekulationsfrist, erklärt der Ratgeber Haus an Kinder verkaufen. Hier geht es um die Schenkung.
Wie viel Schenkungsteuer fällt an?
Jedes Kind hat einen Freibetrag von 400.000 Euro, und zwar von jedem Elternteil. [3] Schenkungen derselben Person werden über zehn Jahre zusammengerechnet. [4] Nach zehn Jahren steht der Freibetrag also wieder voll zur Verfügung. [4]
Was über dem Freibetrag liegt, wird besteuert. Für Kinder gilt die günstigste Steuerklasse. [5] Bis 75.000 Euro steuerpflichtigem Erwerb sind es 7 Prozent, bis 300.000 Euro 11 Prozent, bis 600.000 Euro 15 Prozent. [6] Liegt der Betrag knapp über einer Grenze, mildert ein Härteausgleich den Sprung. [6] Mit Ihren eigenen Zahlen rechnet der Erbschaftsteuer-Rechner.
Welcher Wert gilt? Das Finanzamt bewertet ein Ein- oder Zweifamilienhaus grundsätzlich im Vergleichswertverfahren. [7] Es nutzt dafür vorrangig Kaufpreise, die der Gutachterausschuss mitteilt. [8] Ist der Wert zu hoch, können Sie einen niedrigeren nachweisen, etwa mit einem Gutachten. [9] Wie die Verfahren rechnen, zeigt der Ratgeber Geerbtes Haus: Welchen Wert setzt das Finanzamt an?, für die Schenkung gelten dieselben Regeln. Für eine Eigentumswohnung zeigt Geerbte Wohnung: Welchen Wert setzt das Finanzamt an? den Rechenweg mit den amtlichen Vergleichsfaktoren. Den Sachwert-Weg für Ihr Haus rechnet der Rechner zum Grundbesitzwert.
Wie senkt ein Wohnrecht die Steuer?
Behalten Sie sich ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch vor, bekommt das Kind weniger. Das Finanzamt zieht den Wert dieses Rechts ab. Er heißt Kapitalwert. [10]
So wird er gerechnet: Jahreswert mal Vervielfältiger. Der Jahreswert ist die Miete, die am Ort für die Wohnung üblich ist. [11] Er ist gedeckelt: höchstens der Wert des Hauses geteilt durch 18,6. [12] Der Vervielfältiger hängt von Alter und Geschlecht ab. Er richtet sich nach der Sterbetafel und wird neu festgelegt, wenn eine neue erscheint. Ab 2026 beträgt er für eine 70-jährige Frau 11,107 und für einen 70-jährigen Mann 9,938. [13] Für Ihr Alter und Ihre Miete rechnet ihn der Rechner für Wohnrecht und Nießbrauch.
Zweimal abziehen geht nicht. Hat sich das Wohnrecht schon beim Wert des Hauses ausgewirkt, etwa in einem Gutachten, wird es nicht noch einmal abgezogen. [14] Endet das Wohnrecht früh, weil die Berechtigte stirbt, wird auf Antrag nach der tatsächlichen Dauer neu gerechnet. Bei einer 70-Jährigen gilt das, wenn das Recht nicht länger als fünf Jahre bestand; nach dem Wortlaut ist sie mehr als 70 Jahre alt. [10] Fällt die Schenkung genau auf ihren 70. [10] Geburtstag, sind es sechs Jahre. [10]
Rechenbeispiel: Mutter, 70, schenkt ihr Haus
Annahmen: Das Haus hat einen Steuerwert von 400.000 Euro. Die Mutter ist 70 und schenkt es ihrem Kind. Frühere Schenkungen gab es nicht. Sie behält ein Wohnrecht am ganzen Haus. Die übliche Miete am Ort nehmen wir mit 12.000 Euro im Jahr an.
| Ohne Wohnrecht | Mit Wohnrecht | |
|---|---|---|
| Wert des Hauses | 400.000 Euro | 400.000 Euro |
| Wert des Wohnrechts | 0 Euro | 133.284 Euro |
| Das Kind bekommt | 400.000 Euro | 266.716 Euro |
| Freibetrag | 400.000 Euro | 400.000 Euro |
| Steuer laut Rechnung | 0 Euro | 0 Euro |
| Restfreibetrag | 0 Euro | 133.284 Euro |
Beim Haus für 400.000 Euro ändert das Wohnrecht an der Steuer nichts. Es lässt aber Freibetrag übrig, etwa für eine spätere Schenkung von Geld. Bei einem teureren Haus macht es den Unterschied:
Gegenprobe: Haus für 500.000 Euro
| Ohne Wohnrecht | Mit Wohnrecht | |
|---|---|---|
| Das Kind bekommt | 500.000 Euro | 366.716 Euro |
| Steuerpflichtig | 100.000 Euro | 0 Euro |
| Steuer laut Rechnung | 11.000 Euro | 0 Euro |
Behält statt der Mutter der Vater, ebenfalls 70, das Wohnrecht, ist es 119.256 Euro wert. Das sind Rechenbeispiele mit angenommenen Werten. Was in Ihrem Fall anfällt, klärt eine Steuerberatung.
So rechnen wir
Deckel: 400.000 ÷ 18,6 = 21.505,38 Euro. Die angenommene Miete von 12.000 Euro liegt darunter, also zählt sie.
Wert des Wohnrechts: 12.000 × 11,107 = 133.284 Euro. Was das Kind bekommt: 400.000 − 133.284 = 266.716 Euro. Das liegt unter dem Freibetrag von 400.000 Euro. Frei bleiben 400.000 − 266.716 = 133.284 Euro.
Gegenprobe 500.000 Euro ohne Wohnrecht: 500.000 − 400.000 = 100.000 Euro steuerpflichtig. Satz 11 Prozent, also 11.000 Euro. Härteausgleich geprüft: Bis zur Grenze von 75.000 Euro wären es 5.250 Euro. Dazu dürfte höchstens die Hälfte der 25.000 Euro darüber kommen, zusammen 17.750 Euro. Das liegt über 11.000 Euro, der Ausgleich greift nicht.
Gegenprobe mit Wohnrecht: Deckel 500.000 ÷ 18,6 = 26.881,72 Euro, die Miete von 12.000 Euro zählt. 500.000 − 133.284 = 366.716 Euro, unter dem Freibetrag.
Vater: 12.000 × 9,938 = 119.256 Euro.
Nicht berücksichtigt: frühere Schenkungen, Schulden auf dem Haus, Kosten des Notars und ein Gutachten über einen niedrigeren Wert. Die Rechnung prüft ein Test im Quellcode dieser Seite.
Ist das Elternhaus als Familienheim steuerfrei?
Zu Lebzeiten nur zwischen Ehegatten. [15] Kinder bekommen die Befreiung nur im Erbfall. Dann müssen sie selbst einziehen, und sie gilt nur bis 200 Quadratmeter Wohnfläche. [15] Mehr dazu im Ratgeber Geerbtes Haus verkaufen.
Was ist, wenn ich innerhalb von zehn Jahren ins Pflegeheim muss?
Wer verarmt, kann ein Geschenk zurückfordern. [16] Das gilt nur, wenn zwischen Schenkung und Bedürftigkeit weniger als zehn Jahre liegen. [17] Den Anspruch kann das Sozialamt auf sich überleiten. [18] Drei Punkte sind dabei wichtig:
- Die Frist läuft trotz Wohnrecht. Die zehn Jahre beginnen mit der Leistung des Geschenks. [17] Bei einem Grundstück genügt nach dem Bundesgerichtshof, dass nach Vertrag und Auflassung der Antrag auf Eintragung beim Grundbuchamt eingereicht ist. Ein vorbehaltenes Wohnrecht oder ein Nießbrauch hindert den Beginn nicht. [19]
- Die 100.000-Euro-Grenze schützt nicht. Sie gilt für den Unterhalt, den das Sozialamt von Kindern verlangen kann. Vor der Rückforderung des Geschenks schützt sie nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2024 nicht. [20]
- Ein späterer Verzicht ist auch eine Schenkung. Verzichten Sie später auf Ihr Wohnrecht, kann das selbst eine Schenkung sein. [21] Für sie beginnen die zehn Jahre mit dieser Leistung. [17]
Ein Verkauf zum Marktpreis ist keine Schenkung. Ihn kann das Sozialamt deshalb nicht zurückfordern. [22] Bei einem Verkauf unter Wert kann der geschenkte Teil betroffen sein. Die Einzelheiten sind nicht geklärt. Was Ihr Kind prüfen sollte, wenn es das geschenkte Haus später selbst verkaufen will, erklärt der Ratgeber Geschenktes Haus verkaufen. Wie es im Heim weitergeht, steht im Ratgeber Haus verkaufen wegen Pflegeheim.
Was können die Geschwister verlangen?
Verschenken Sie das Haus an ein Kind, können die anderen nach Ihrem Tod eine Ergänzung ihres Pflichtteils verlangen. Die Schenkung zählt im ersten Jahr voll, danach jedes Jahr ein Zehntel weniger. Nach zehn Jahren zählt sie nicht mehr. [23] Wie viel das in Ihrem Fall ausmacht, rechnet der Pflichtteil-Rechner.
Hier laufen die zwei Fristen auseinander. Behalten Sie sich den Nießbrauch uneingeschränkt vor, beginnt diese Frist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht zu laufen. [24] Ein Wohnrecht an einem Teil des Hauses hindert den Beginn dagegen nur ausnahmsweise. [25] Beim Nießbrauch läuft also die Frist für das Sozialamt, die für die Geschwister nicht.
Wohnrecht oder Nießbrauch?
Mit einem Wohnrecht dürfen Sie selbst im Haus oder in einem Teil davon wohnen. [26] Mit einem Nießbrauch dürfen Sie alle Nutzungen ziehen, also auch vermieten. [27] Das Gesetz lässt eine Rückforderung nur eingeschränkt zu. Rückforderungsrechte für bestimmte Fälle können Sie im Übertragungsvertrag vereinbaren. [28] Was mit einem Wohnrecht passiert, wenn Sie ins Pflegeheim ziehen, klären Sie vorher mit dem Notar. Mehr dazu im Ratgeber Haus mit Wohnrecht oder Nießbrauch verkaufen. Brauchen Sie selbst Geld aus dem Haus, statt es zu verschenken, vergleicht der Ratgeber Teilverkauf oder Leibrente die Wege.
Was könnte sich ändern?
Stand 25. Oktober 2026: Das Bundesverfassungsgericht hat am 12. Oktober 2026 über das Erbschaftsteuergesetz verhandelt (1 BvF 1/23), unter anderem über die Bewertung von Grundbesitz, die Freibeträge und die Steuersätze. [29] Eine Entscheidung ist noch nicht verkündet (Stand 25.10.2026). [29] Einen Gesetzentwurf gibt es nicht. Bis zu einer Entscheidung gilt das Gesetz unverändert und damit das oben Beschriebene.
Welcher Wert gilt für Ihr Haus?
Alle Wege hängen am Wert des Hauses: die Steuer, die Rückforderung, der Pflichtteil, der faire Preis beim Verkauf. Amtliche Grundlage sind die Werte des Gutachterausschusses, für die Region Hannover der Gutachterausschuss Hameln-Hannover. Den Bodenrichtwert Ihrer Zone zeigt die Bodenrichtwert-Seite Ihrer Gemeinde. Eine erste Wertspanne gibt die Ersteinschätzung, für Häuser und Wohnungen in 13 der 21 Gemeinden. Ob beim Verkauf an Ihr Kind Spekulationssteuer anfällt, prüft der Spekulationssteuer-Rechner.
Quellen
- § 3 Nr. 2 und Nr. 6 GrEStG (Grundstücksschenkungen; Erwerb durch Verwandte in gerader Linie, Stiefkinder, Ehegatten der Kinder). https://www.gesetze-im-internet.de/grestg_1983/__3.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 3 EStG (Zehnjahresfrist, Eigennutzung; bei unentgeltlichem Erwerb zählt die Anschaffung des Rechtsvorgängers); BFH, Urteil vom 11.03.2025, IX R 17/24 (Aufteilung teilentgeltlicher Übertragungen). https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE202510112/, im Original gelesen am 24.10.2026. Amtlich.
- § 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG (Freibetrag Kinder 400.000 Euro). https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 14 Abs. 1 ErbStG (Zusammenrechnung von Erwerben derselben Person innerhalb von zehn Jahren). https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__14.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 15 Abs. 1 ErbStG (Kinder in Steuerklasse I).
- § 19 Abs. 1 und 3 ErbStG (Steuersätze, Härteausgleich); § 10 Abs. 1 Satz 6 ErbStG (Abrundung auf volle 100 Euro). https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__19.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 12 Abs. 3 ErbStG; § 182 Abs. 2 BewG (Ein- und Zweifamilienhäuser im Vergleichswertverfahren). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__182.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 183 Abs. 1 und 2 BewG (vorrangig Vergleichspreise und Vergleichsfaktoren der Gutachterausschüsse). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__183.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 198 BewG (Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts durch Gutachten oder zeitnahen Kaufpreis). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__198.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 14 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 und 6 BewG (Kapitalwert lebenslänglicher Nutzungen; Berichtigung nach der wirklichen Dauer; mehr als 65 bis zu 70 Jahre: sechs Jahre, mehr als 70 bis zu 75 Jahre: fünf Jahre). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__14.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 15 Abs. 2 BewG (Jahreswert einer Wohnung: übliche Mittelpreise des Verbrauchsorts). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__15.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 16 BewG (Jahreswert höchstens Wert geteilt durch 18,6). https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__16.html, abgerufen 04.10.2026.
- Bundesministerium der Finanzen, Schreiben vom 21.10.2025, IV D 4 - S 3104/00002/013/003, Vervielfältiger für den Kapitalwert lebenslänglicher Nutzungen und Leistungen für Bewertungsstichtage ab 01.01.2026. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Erbschaft_Schenkungsteuerrecht/2025-10-21-bewert-lebensl-nutzung-leistung-1-1-26.html, abgerufen 03.10.2026.
- § 10 Abs. 6b ErbStG (kein Abzug grundstücksbezogener Belastungen, die sich schon beim Wert des Grundbesitzes ausgewirkt haben). https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__10.html, gelesen am 11.10.2026. Wortlaut: „Haben sich grundstücksbezogene Belastungen bei der Ermittlung des gemeinen Werts einer wirtschaftlichen Einheit des Grundbesitzes ausgewirkt, ist deren Abzug bei der Erbschaftsteuer ausgeschlossen.“ Amtlich.
- § 13 Abs. 1 Nr. 4a und 4c ErbStG (Familienheim zu Lebzeiten unter Ehegatten; von Todes wegen an Kinder bei Selbstnutzung bis 200 Quadratmeter). https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__13.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 528 Abs. 1 BGB (Rückforderung wegen Verarmung). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__528.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 529 Abs. 1 BGB (ausgeschlossen nach zehn Jahren seit der Leistung).
- § 93 Abs. 1 SGB XII (Überleitung auf den Träger der Sozialhilfe). https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__93.html, abgerufen 04.10.2026.
- BGH, Urteil vom 19.07.2011, X ZR 140/10 (BGHZ), Leitsätze a und b zu § 529 Abs. 1 Fall 2 BGB: „Bei der Schenkung eines Grundstücks genügt es zur Leistung des geschenkten Gegenstandes im Sinne von § 529 Abs. 1 Fall 2 BGB, dass der Beschenkte nach dem formgerechten Abschluss des Schenkungsvertrages und der Auflassung einen Antrag auf Eintragung der Rechtsänderung beim Grundbuchamt eingereicht hat.“ „Der Beginn der in § 529 Abs. 1 Fall 2 BGB vorgesehenen Zehnjahresfrist wird nicht dadurch gehindert, dass sich der Schenker an dem verschenkten Grundstück ein lebenslanges Nutzungsrecht vorbehält.“ https://www.bundesgerichtshof.de, Entscheidung X ZR 140/10, im Original gelesen am 11.10.2026. Amtlich.
- BGH, Urteil vom 16.04.2024, X ZR 14/23 (Einkommensgrenze des § 94 Abs. 1a SGB XII schützt nicht vor der Rückforderung nach § 528 BGB). https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/X_ZS/2023/X_ZR__14-23.pdf?__blob=publicationFile, gelesen am 24.10.2026. Amtlich.
- BGH, Urteil vom 17.04.2018, X ZR 65/17, Leitsatz b) (Verzicht auf ein Wohnrecht kann eine Schenkung sein). https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/X_ZS/2017/X_ZR__65-17.pdf?__blob=publicationFile, gelesen am 24.10.2026. Amtlich.
- § 516 Abs. 1 BGB (Schenkung setzt Unentgeltlichkeit voraus). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__516.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 2325 Abs. 3 BGB (Abschmelzung um ein Zehntel je Jahr; nach zehn Jahren unberücksichtigt). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html, abgerufen 04.10.2026.
- BGH, Urteil vom 29.06.2016, IV ZR 474/15: Eine Leistung im Sinne von § 2325 Abs. 3 BGB liegt erst vor, wenn der Erblasser darauf verzichtet, den Gegenstand „im Wesentlichen weiterhin zu nutzen“. „Wird bei einer Schenkung daher ‑ wie im seinerzeit vom Senat zu beurteilenden Fall ‑ der Nießbrauch uneingeschränkt vorbehalten, ist der „Genuss“ des verschenkten Gegenstandes nicht aufgegeben worden.“ (so schon BGHZ 125, 395). https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2015/IV_ZR_474-15.pdf?__blob=publicationFile, im Original gelesen am 25.10.2026. Amtlich.
- BGH, Urteil vom 29.06.2016, IV ZR 474/15 (Wohnrecht an Teilen des Hauses hindert den Fristbeginn nur ausnahmsweise). Im Original gelesen am 11.10.2026, https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/IV_ZS/2015/IV_ZR_474-15.pdf?__blob=publicationFile.
- § 1093 Abs. 1 BGB (Wohnungsrecht). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1093.html, abgerufen 04.10.2026.
- § 1030 Abs. 1 BGB (Nießbrauch: Recht, die Nutzungen zu ziehen). https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1030.html, abgerufen 04.10.2026.
- notar.de (Bundesnotarkammer), Thema Schenkung: „Die Rückforderung ist nach dem Gesetz nur eingeschränkt möglich, kann jedoch im Übertragungsvertrag unter bestimmten Voraussetzungen vereinbart werden.“ https://www.notar.de/themen/vererben-und-schenken/schenkung, gelesen am 25.10.2026.
- Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung Nr. 48/2026 vom 30.07.2026: mündliche Verhandlung am 12.10.2026 (1 BvF 1/23); Bundesverfassungsgericht, Termine & Wochenausblick, abgerufen am 12.10.2026; Pressemitteilungen bis Nr. 69/2026 vom 23.10.2026 geprüft am 25.10.2026, keine betrifft 1 BvF 1/23.
Häufige Fragen
Wie oft kann ich meinem Kind 400.000 Euro steuerfrei schenken?
Alle zehn Jahre. Schenkungen derselben Person an dasselbe Kind werden über zehn Jahre zusammengerechnet (§ 14 ErbStG). Jeder Elternteil hat einen eigenen Freibetrag von 400.000 Euro je Kind (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG). Gehört das Haus beiden Eltern je zur Hälfte, zählt jede Hälfte beim jeweiligen Freibetrag.
Haus an Kinder überschreiben: Muss mein Kind Grunderwerbsteuer zahlen?
Nein. Schenkungen sind von der Grunderwerbsteuer befreit, ebenso der Kauf durch Kinder und Enkel (§ 3 Nr. 2 und 6 GrEStG).
Gilt die Spekulationsfrist auch beim Verkauf an mein Kind?
Ja. Das Gesetz macht für Verkäufe in der Familie keine Ausnahme (§ 23 EStG). Steuerfrei bleibt der Verkauf nach zehn Jahren oder bei eigener Nutzung. Bei einer Schenkung fällt bei den Eltern keine Spekulationssteuer an. Das Kind übernimmt dann aber Ihr Anschaffungsdatum. Einzelheiten stehen im Ratgeber zum Verkauf an Kinder.
Kann das Sozialamt ein verschenktes Haus zurückholen?
Ja, wenn Sie innerhalb von zehn Jahren nach der Schenkung bedürftig werden, etwa im Pflegeheim (§§ 528, 529 BGB). Das Sozialamt kann diesen Anspruch auf sich überleiten (§ 93 SGB XII). Die zehn Jahre laufen auch dann, wenn Sie sich ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch vorbehalten haben.
Schützt die 100.000-Euro-Grenze mein Kind vor der Rückforderung?
Nein. Die Grenze gilt für den Unterhalt, den das Sozialamt von Kindern verlangen kann. Die Rückforderung eines Geschenks ist etwas anderes. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2024 schützt die Grenze davor nicht.
Läuft die 10-Jahres-Frist beim Nießbrauch?
Es gibt zwei Fristen, und sie laufen verschieden. Für die Rückforderung durch das Sozialamt läuft sie auch mit Nießbrauch. Für den Pflichtteil der Geschwister beginnt sie nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht, solange Sie sich den Nießbrauch uneingeschränkt vorbehalten.
Ist ein günstiger Verkauf an mein Kind eine Schenkung?
Zum Teil. Liegt der Preis unter dem Verkehrswert, ist die Übertragung teils Verkauf, teils Schenkung, aufgeteilt nach dem Verhältnis von Preis zu Verkehrswert (BFH, IX R 17/24). Für den geschenkten Teil gelten die Regeln der Schenkung. Notarkosten spart ein niedriger Preis nicht, der Notar rechnet mindestens mit dem Verkehrswert (§ 47 GNotKG).
Ist das Elternhaus als Familienheim steuerfrei, wenn ich es zu Lebzeiten schenke?
An Kinder nicht. Zu Lebzeiten ist das Familienheim nur zwischen Ehegatten steuerfrei (§ 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG). Kinder erhalten die Befreiung nur im Erbfall, wenn sie selbst einziehen, und nur bis 200 Quadratmeter Wohnfläche (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG).